Reiterlesmarkt in Rothenburg

Schon lange hatte ich von der magischen Atmosphäre des Rothenburger Reiterlesmarkts gehört, und in diesem Jahr hatte ich endlich die Gelegenheit, ihn selbst zu erleben. Es war ein frostiger Dezemberabend, als ich durch die kopfsteingepflasterten Straßen der malerischen Altstadt von Rothenburg ob der Tauber schlenderte. Die Stadt, die wie ein Märchen aus dem Mittelalter wirkt, war für die Weihnachtszeit festlich geschmückt. Überall funkelten Lichterketten, der Duft von gebrannten Mandeln, Glühwein und Lebkuchen lag in der Luft, und leise Weihnachtsmusik spielte im Hintergrund.

Der Reiterlesmarkt ist einer der ältesten Weihnachtsmärkte in Deutschland und geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Schon beim Betreten des Marktplatzes, der von historischen Fachwerkhäusern eingerahmt wird, war ich sofort von der besonderen Stimmung gefangen. Überall standen kleine Holzhütten, liebevoll dekoriert mit Tannenzweigen und Lichtern, die handgefertigte Weihnachtsdekorationen, Spielzeug und regionale Spezialitäten anboten. Es war, als sei ich in eine vergangene Zeit eingetaucht – in die zauberhafte Welt eines mittelalterlichen Weihnachtsmarkts.

Einer meiner ersten Stopps war ein Stand, der fränkische Bratwürste und heißen Glühwein anbot. Die Bratwürste, die auf einem offenen Grill gebraten wurden, waren herrlich würzig, und der Glühwein wärmte mich von innen, während ich durch die Stadt schlenderte. Besonders die kleinen Seitengassen Rothenburgs, die ebenfalls festlich erleuchtet waren, luden dazu ein, sie zu erkunden. Hier entdeckte ich immer wieder kleine Handwerksstände mit außergewöhnlichen Produkten: von mundgeblasenen Glasornamenten bis hin zu handgeschnitzten Krippenfiguren.

Ein besonderes Highlight des Reiterlesmarkts ist die Legende vom „Reiterle“, einer mythischen Gestalt, die in Rothenburg zur Weihnachtszeit eine zentrale Rolle spielt. Früher glaubten die Menschen, dass das Reiterle ein finsterer Bote aus der Geisterwelt sei, der in der Winterzeit über die Erde flog. Doch mit der Zeit wandelte sich diese Vorstellung, und heute wird das Reiterle als freundlicher Überbringer des Weihnachtszaubers gefeiert. Am Abend fand eine feierliche Zeremonie statt, bei der das Reiterle in einer prächtigen Tracht hoch zu Ross über den Marktplatz ritt. Die Menschen jubelten und begrüßten ihn als Symbol der weihnachtlichen Vorfreude. Es war ein magischer Moment, der die Verbindung zwischen alten Traditionen und der heutigen festlichen Stimmung perfekt einfing.

Auch kulinarisch bot der Reiterlesmarkt viele Überraschungen. An einem der Stände entdeckte ich fränkische Lebkuchen, die ich unbedingt probieren musste. Anders als die süßen Lebkuchen, die ich bisher kannte, waren diese etwas würziger und hatten einen kräftigen Honiggeschmack – perfekt für die winterliche Jahreszeit. Dazu gönnte ich mir ein Stück „Schneeballen“, eine Rothenburger Spezialität aus Mürbeteig, die in verschiedenen Varianten angeboten wurde. Mit Puderzucker bestreut und knusprig gebacken, war dies eine wahre Gaumenfreude.

Besonders schön fand ich die Mischung aus mittelalterlichem Flair und weihnachtlicher Gemütlichkeit. Die Stände waren nicht nur Verkaufsbuden, sondern Orte der Begegnung. Die Händler, die mit Leidenschaft über ihre handgefertigten Waren erzählten, gaben mir das Gefühl, ein Stück der fränkischen Weihnachtstradition mit nach Hause zu nehmen. Ich kaufte einen handgeschnitzten Weihnachtsengel und ein paar duftende Bienenwachskerzen – kleine Erinnerungen an diesen besonderen Tag.

Später am Abend ging ich zum Krippenmarkt, der in der St.-Jakobs-Kirche stattfand. Die kunstvoll gestalteten Krippenfiguren, die hier ausgestellt waren, faszinierten mich. Jede Figur erzählte ihre eigene Geschichte, und die Handwerkskunst war beeindruckend. Die Kirche selbst, erleuchtet von Kerzenschein, verstärkte die feierliche Atmosphäre noch einmal und lud zu einem Moment der Ruhe und Besinnung ein.

Als ich mich schließlich auf den Weg zurück zum Marktplatz machte, um das abendliche Lichtermeer noch einmal in vollen Zügen zu genießen, fiel leichter Schnee. Die weißen Flocken glitzerten in den Straßenlaternen, und die gesamte Altstadt wirkte wie ein lebendig gewordenes Weihnachtsmärchen. Überall sah man Familien und Paare, die den Moment genossen, Geschenke kauften oder gemeinsam einen heißen Punsch tranken. Die Glocken der Kirche läuteten zur vollen Stunde, und es schien, als würde die Zeit für einen Moment stillstehen.

Zum Abschluss meines Besuchs gönnte ich mir noch eine Tasse heißen Apfelpunsch mit Zimt, während ich die letzten Stunden des Abends auf dem Reiterlesmarkt verbrachte. Die Wärme des Getränks und die friedliche, festliche Stimmung waren der perfekte Abschluss für diesen Tag. Der Rothenburger Reiterlesmarkt hat mich mit seiner einzigartigen Mischung aus Geschichte, Tradition und Weihnachtszauber tief beeindruckt.

Es war ein unvergessliches Erlebnis, und ich werde sicher wiederkommen, um diesen magischen Ort zur Weihnachtszeit erneut zu besuchen. Die Verbindung zwischen der mittelalterlichen Kulisse und den festlichen Bräuchen machte den Reiterlesmarkt zu einem besonderen Highlight der Weihnachtszeit – eine Reise in eine andere Welt, in der der Geist von Weihnachten noch tief verwurzelt ist.

Weitere Informationen findet Ihr unter: https://www.rothenburg.de

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